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Ein Bastard

Recht nüchtern saß man im Buse Richtung Heimat, versuchte die aufkeimende Übelkeit und generelle Unzufriedenheit im Zusammenhang mit eben jenem Zustande zu unterdrücken und wendet sich einem Büchlein zu; “Screwjack Stories”, wichtig um die folgenden Stunden zu überleben.

Doch es sollte anders kommen. Ein Mann mittleren Alters, zerzauster Frisur und sicherlich beeindruckender Alkoholfahne betrat den Bus. Kein Penner, nein, ein grundlegend anständiger Bürger, gut gekleidet und sicherlich über ein Mindestmaß hinaus gebildet. Der Akt des Fahrkartenkaufs ging überraschend unproblematisch von statten und er näherte sich dem hinteren Teil des Buses, Areal aller jener, welche nicht in das Angesicht aller ein-und aussteigenden Menschen blicken wollen oder können. Ihm mißfiel wohl die generell ruhige Stimmung eines 5 Uhr Langstreckenbuses und er beschloß ein Liedchen anzustimmen. “Das ist Wahnsinn, warum schickst du mich in die Hölle, Höööölee, Höööööllee, Hööö...” Das letzte Mal “Hölle” zog er grausam in die Länge, nur um in ein generelles Geschrei und Getose überzugehen. Die Aufmerksamkeit des busfahrenden Studiosi und Rentnervolkes wahr ihm sicher und nicht nur diese! Ein Busfahrer, Not seines Amtes verpflichtet diesem Schauspiel ein Ende zu setzten, bewegte sich zu eben jenem Trunkenbold und versuchte ihn mit einer List aus seinem Buse zu verscheuchen. “Es sei kein Platz mehr frei”, statuierte er, unglaublich einfallslos und auch denkbar ineffektiv. Der Gestank durchzechter Nächte im Drogenrausch haftete mir selbst noch an, Augenringe verdeutlichten das Bild nur noch zu sehr und mir wurde gewiss: Ich war keinesfalls vor ihm gefeit. Vielleicht auch durch Zufall machte er anstalten sich neben mich zu setzten. Der Busfahrer war nach seiner kläglichen Niederlage schnell verschwunden und ich suchte verzweifelt nach Hilfe. Keine Chance, ich war auf mich allein gestellt. “Bastard”, nein, wie konnte ich nur so beginnen, “du stinkst mir viel zu sehr”. Diesem Urteil war ich im übrigen gar nicht fähig, durch die Schleimhäute meiner Nasen hatten sich in den letzten Tagen viel zu viele sniefbare Drogen bewegt um jetzt noch passabel ihre Funktion zu erfüllen. Seine Augen verharrten auf mir, ich erwartete zumindest eine Faust im Gesicht und war zutiefst erstaunt als er zwei Plätze weiter torkelte und sich gemächlich setzte. Ruhe, zumindest für Minuten, dann vernahm ich einzelne unzusammenhängende Worte von dem stammelden Unhold zwei Plätzte vor mir. Ich konnte ihn nicht ignorieren! Dessen war ich nicht fähig, viel zu sehr erinnerte er mich an mich selbst. Ich ließ ihn gewähren. “Junge”, noch viel schlimmer als das letzte Mal begann ich, “erzähle mir deine Geschichte” Die Situation schien ihn zu überfordern. Er pausierte ein wenig. Seine Mimik spielte scheinbar wahllos, versank kurzzeitig in Trauer um sofort wieder in ein Lächeln überzugehen, welches sich sogar bis hin zur Euphorie steigerte.

“Jaaa”, begann er, und diesem “Jaaa” folgte eine Geschichte, die weder Dramatik noch Poesie entbehrte. Diese sei an dieser Stelle nicht erzählt.

Nunja, er hatte grandiose Unterhaltung geliefert und forderte nun seinen Tribut; eben jenen Platzte neben dem Jüngling welcher ihm so ähnlich scheint. “Nein”, ich pausierte um zu überlegen, “Bastard”, erneute Pause, “an deinem Geruche hat sich nichts geändert”. Vielleicht war das zu viel. Sein Mimikspiel schwankte zur Agression, sein Kopf wurde rot und ér erhob seine Hand. “Aarggh”, er wölbte seinen Handballen nach vorne und verkrampfte gleichzeitig ein wenig nach hinten gebeugt seine Finger, eine Geste, welche mir vollkommen unbekannt war und mich gerade deshalb erschaudern ließ. Nein, kein Ausbruch der Gewalt. Er wandte sich mir ab und begann ein Kärntnerlied zu trällern. Ich fühlte mich alleingelassen. Wie tief war ich gesunken? Nichtmal mehr der Gesellschaft dieses Saufkopfes würdig? Was war ich denn für ein Mensch ? Ich begann die Melodie des Liedes zu summen. Großer Fehler. “Kärntner?”, kam es von der stinkenden Getalt. Der Bus war voll von Kärnter, wohin man nur blickt. Wöchentlich pilgern tausende Südländer in die ferne Steiermark um sich dort mit aller Innbrunst zu besaufen und vielleicht manchmal eine Vorlesung zu besuchen. Ja, ich war Kärntner. Nun war es aus. “Bastard”, begann ich erneut, doch diesmal war es scheinbar zu viel. Er hatte seine Hand zur Faust geballt und wurde zunehmends aggressiv. Ich stotterte, konnte meinen Satzt nicht vollenden und geriet in Panik. Physische Schmerzen! Nein, meine Seelenqual war schon schlimm genug und das könnte ich nun wirklich nicht verkraften. “Du”, ich versuchte an seine Vernunft zu appellieren, lange Pause, “der Busfahrer würde dich sofort rausschmeissen.. .”. Da hat man jahrelange Erfahrung mit Rauschfreunden und fällt in solchen Situationen, in denen jenes erworbene Wissen doch so wichtig wäre, grundlegend falsche Entscheidungen. Ich war mir bewusst was folgen würde, und es trat der Natur gemäß ein. #Klatsch#, er war mir gnädig, unblutig auf die Nase, schmerzhaft jedoch zu verkraften. Jener Unbekannte landete auf der Landstraße irgendwo zwischen Wolfsberg und Feldkirchen.

Ihm sei an dieser Stelle gedacht.

28.2.05 17:13





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